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100 Jahre Franziskus-Schwestern

100-jähriges Jubiläum 1919 - 2019



Broschüre zum Jubiläum unserer Gemeinschaft


 

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"Gott gönnt dir Freude"

Bericht aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2019 vom 25.06.2019 | Ann-Katrin Roscheck

Heute leben noch fünf Schwestern im Orden. Die Weitergabe des Franziskusgeistes wird durch eine Laiengemeinschaft gesichert.




Als Schwester Alfonsa Fischer als junge Frau als eine der Ersten überhaupt ein freiwilliges soziales Jahr in einer Auffangstation für Flüchtlinge absolviert, weiß sie, dass das soziale Kümmern, das besondere Hinschauen und das Schaffen in Gottes Werten ihre Bestimmung sein wird. Im Jahr 1961 tritt sie als Postulantin den Krefelder Franziskus-Schwestern bei. Heute ist die 81-Jährige seit 30 Jahren Oberin der Schwestern und führt eine Gemeinschaft, die genau wie so viele andere Orden in Deutschland Nachwuchssorgen hat, in eine verheißungsvolle, ganz besondere Ordenszukunft.

„Ich sitze oft hier und denke, dass mein Leben ein Geschenk ist“, sagt Schwester Alfonsa versonnen und lässt den Blick über den großen Flur im Mutterhaus am Jungfernweg in Krefeld schweifen. „Ich fühle mich gestärkt aus dem, was ich hier erlebe, es macht mir Mut und bereichert mich.“ Als Mädchen wächst Schwester Alfonsa in einem katholischen Elternhaus auf. Mit der Entscheidung, einer Ordensgemeinschaft beizutreten, beginnt für sie die Suche nach einer „freien“ Gemeinschaft. „Mir war es wichtig, den Kontakt zu meinem Elternhaus nicht zu verlieren, mich im Orden leicht und lebendig zu fühlen und Gott nah zu sein“, erklärt sie. Im Postulat nimmt sie sich vor, ein Buch darüber zu führen, was ihr im Ordensleben nicht gefällt. Sorgfältig möchte sie für sich vor dem Noviziat reflektieren, ob das Aufgeschriebene ihr im Weg steht. „Meinen Stift brauchte ich aber kein Mal“, erinnert sie sich lachend. „Da war einfach nichts, was mich störte. Die Franziskus-Schwestern entsprachen mir.“

Viele Jahre wirkt die junge Frau auf den vier Stationen des Altenheims der Schwestern mit, macht eine Ausbildung zur Krankenpflegerin im Maria-Hilf-Krankenhaus und geht anschließend, natürlich im Auftrag des Konvents, in die Eifel, um hier in einer Mutter-Kind-Kur zu helfen. Gemeinsam mit den Frauen macht sie Musik, begleitet Ausflüge, bietet Sport an und spielt Theater. Auch ist sie Ansprechpartnerin, wenn Leid und Kummer überhand nehmen. Als Seelsorgerin erzählt sie den Frauen von der Zusammengehörigkeit von Geist, Leib und Seele. „Die Zeit hat mich sehr geprägt, denn ich habe es geschafft, vielen Frauen das positive Gefühl für ihr Leben zurückzugeben“, erklärt die 81-Jährige. „Gott gönnt dir Freude und er schenkt sie dir. Diese Gewissheit hatten viele der Frauen verloren.“

Nach einem Zwischenstopp in Aachen kehrt Schwester Alfonsa 1983 als stellvertretende Generaloberin nach Krefeld zurück, sechs Jahre später wird sie offiziell zur Oberin gewählt. Seitdem trägt sie maßgeblich dazu bei, dass der Geist der Franziskus-Schwestern lebendig bleibt. Vor allem die Gründung einer Laiengemeinschaft, das TAU-Apostolat, war ein großer Schritt für die Ordensgemeinschaft. „Wir sind noch fünf Schwestern hier, die Pater Markus’ Bestimmung folgen. Wenn wir sterben, wäre niemand mehr da gewesen, der den Orden am Leben hält“, sagt die Oberin behutsam. „Mit der Laiengemeinschaft haben wir eine neue Form geschaffen, die unsere Ziele, eine Oase für Begegnung, Besinnung und Bildung zu sein, verwirklichen hilft.“ Die geistliche und karitative Berufung führt sowohl Männer als auch Frauen in die Laiengemeinschaft: Einige von ihnen leben mit den Schwestern im Konvent, andere engagieren sich neben ihrem Berufsleben für das Apostolat. Gemeinsam mit den verbliebenen Schwestern unterhält die Laiengemeinschaft zum Beispiel fünf Mal in der Woche ein Frühstück für Bedürftige, leistet Unterstützung bei den täglichen Gebetszeiten, bei Lobpreis und Anbetung. Außerdem engagiert sich die Laiengemeinschaft bei geistlichen Angeboten an Oasen- und Besinnungstagen.

Schwester Alfonsa ist sich sicher, dass die Werte des Franziskus-Ordens auf diese Art und Weise lebendig bleiben werden. „Als ich in den Orden eintrat, dachte ich, dass ich jetzt alles weiß. Heute weiß ich, dass es nicht so war“, erklärt sie. „Früher habe ich Gott immer um seinen Segen gebeten, ich habe erzählt. Heute höre ich zu und mache dann das, was er mir sagt. Und deswegen weiß ich, dass es so, wie es jetzt, heute ist, gut ist.“

Die Chronik der Franziskus-Schwestern in Zahlen

1021 Personen treten zwischen der Gründung durch Oberpfarrer Huthmacher im Jahr 1881 und dem Jahr 1916 in die Drittordensgemeinde in Krefeld ein. Die Gemeinde ist an die Dionysiuskirche angegliedert.

36 Jahre alt ist Kapuzinerpater Markus Müßig, als er als Dozent für Philosophie ins Kapuzinerkloster nach Inrath kommt.

1912 gründet er die „Hauspflege des Dritten Ordens“ mit dem Ziel, die karitative Tätigkeit nach dem Ersten Weltkrieg zu stärken.

Fünf ist die Nummer des Hauses an der Sternstraße in Krefeld, in das der Konvent „Die Caritasschwestern des Dritten Ordens des heiligen Franziskus“ im Jahr 1920, ein Jahr nach ihrer Gründung, einzieht. Ganz im Franziskusgeist übernehmen die Schwestern seitdem die Sorge für verlassene Familien und Alleinstehende.

Vier Stationen gibt es nach Umzug in das Haupthaus am Jungfernweg im eigenen Altenheim. Ob in der Haus- und Krankenpflege, in Kindergärten, Kinderheimen oder in der Altenpflege: Die Franziskus-Schwestern sind für diejenigen da, die im System untergehen.

Mit 160 Schwestern erreicht in den 60er Jahren der Orden an acht Zweigstellen seine Blütezeit. Heute besteht die Gemeinschaft nur noch aus fünf Schwestern. Alle leben in Krefeld.

16 Jahre alt ist inzwischen die Laiengemeinschaft der Franziskus-Schwestern: Mit der Gründung des Tau-Apostolates übernimmt sie heute die Bestimmung des Ordens und sichert seine Zukunft.

Das 100-Jährige wird am Samstag, 6. Juli, 10 Uhr in der Dionysiuskirche in einer Festmesse mit Bischof Helmut Dieser gefeiert.



Franziskus-Schwestern wollen lebendiges Kloster


Auch 100 Jahre nach der Gründung haben die Ordensfrauen und ihre Unterstützer im Mutterhaus am Jungfernweg viele Pläne. Derzeit wird umgebaut.

Von Claudia Kook (Westdeutsche Zeitung 13.05.2019)

Kabel hängen in Fluren von der Decke. Hinter einer Staubwand wird gehämmert. Ein paar Arbeiter schauen Schwester Alfonsa freundlich und neugierig entgegen, als die Generaloberin zielstrebig durch einen der Gänge eilt. Mit flottem Schritt und einem Lächeln auf den Lippen.

Auf dem Weg grüßt die 81-Jährige einen Besucher, der gerade eines der Zimmer im Gästehausbereich des Klosters verlässt. Zahlreiche Einzel- und Doppelzimmer auf dem gleichen Flur und einer weiteren Etagen des Haus Mariae Heimsuchung sind nach und nach umgebaut worden. Einige davon mit komfortablen und großzügigen Badezimmern. Platz für 40 Gäste haben die Franziskus-Schwestern jetzt. Finanziell half bei der Renovierung der Verkauf des Bocholter Hauses des Ordens.

HAUSPFLEGE Die gesellschaftliche Entwicklung, die Umstrukturierung des wirtschaftlichen Lebens hatte auch das Gefüge des Familienlebens stark verändert. Es fehlte an Helfern, die Menschen bei Erschöpfung, Krankheit oder im Fall von Müttern nach einer Geburt den Haushalt weiterführten. Seit Beginn des neuen Jahrhunderts waren deshalb schon zahlreiche Hauspflegevereine entstanden. Aber die Not war trotzdem groß. Am 1. Mai 1912 begannen in Krefeld 46 Frauen und Mädchen des Dritten Ordens ihre Dienste in der Hauspflege zu leisten. An den wenigen ihnen damals zur Verfügung stehenden freien Tagen und in ihren freien Stunden neben ihrer beruflichen und sonstigen Arbeit. Trotz ihres Idealismus konnten sie das aber kaum bewältigen


 

Schwester Sybille

ORDEN Am 19. April 1919 konnten sechs hauptberufliche Hauspflegeschwestern ihre Arbeit beginnen. Damit war der Grundstock für eine neue Schwesternvereinigung des Dritten Ordens gelegt. Die junge Gemeinschaft der Hauspflegeschwestern war zunächst eine sehr lockere. Die Schwestern wohnten bei ihren Eltern oder Verwandten oder anderswo zur Miete. 1927 bot sich als günstiger Kauf das Haus am Jungfernweg 1 an.

WACHSTUM Von Krefeld aus entstanden weitere Schwesternschaften zum Beispiel in Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn, Homberg-Hochheide. Franziskusschwestern führten unter anderem ein Kinderheim in Monschau, betreuten eine Entbindungsstation in Viersen-Boisheim oder arbeiteten in unterschiedlichen Pfarrbüros.

ALTENHEIM Im Mutterhaus wohnten von Beginn an außer den Franziskus-Schwestern ältere Menschen, die hier gepflegt wurden. Das eigentliche Altenheim entstand im Haus nach dem Krieg. Die aufsuchende Haus- und Familienpflege war in der Stadt zunehmend von Sozialstationen übernommen worden.

PATER MARKUS Die geistigen und geschichtlichen Wurzeln der Schwesternschaft liegen in einer Bewegung innerhalb der Drittordensgemeinschaft Krefeld. Der sogenannte Dritte Orden ist auf Franziskus, den Heiligen Franz von Assisi, zurückzuführen. Er entstand 1221 als dritter Zweig der franziskanischen Familie. Pater Markus, Gründer der Krefelder Franziskus-Schwestern, leitete die Drittordensgemeinschaft von 1911 bis 1926. Damals empfahl er die Übernahme einer zeitgemäßen karitativen Aufgabe: der Haus- und Familienpflege.


 

Kapuzinerpater Markus Müßig

Damit sind Schwester Alfonsa und ihre derzeit noch vier Mitschwestern sowie ihre Mitstreiter, zu denen 16 festangestellte Mitarbeiter und viele ehrenamtliche Helfer gehören, ihrem Ziel ein Stück näher gekommen. „Wir wollen als Oase für Begegnung, Besinnung und Bildung wachsen“, sagt die Generaloberin über das Gästehaus, das seit 1996 fest zum Kloster gehört.

Gruppen aller Art, pastorale Mitarbeiter oder Priester kommen schon lange zu Tagungen oder Exerzitien und nutzen nicht nur die Seminarräume, sondern auch den idyllischen Garten mit einer lebensgroßen Franziskusstatue. Unter den einzelnen Gästen haben auch schon Schauspieler, Sänger oder andere Künstler, die in Krefeld gastieren, Unterkunft gefunden. „Es ist sehr abwechslungsreich. Gerade erst hatten wir einen Opernsänger aus Frankreich da“, schwärmt die Generaloberin, „er hat für uns an einem Abend das Marienlied auf Französisch gesungen.“

Die Schwestern wollen Raum geben für Menschen aller Kulturen und Religionen. Und sie wollen sich dabei weiter auch um Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht. So bieten sie zum Beispiel täglich ein Frühstück für Bedürftige an.

Damit stehen sie in der Tradition des Namensgebers ihres Ordens, Franziskus. Und sie engagieren sich weiter im Sinne von Pater Markus Müßig, der ihren Orden vor 100 Jahren in Krefeld gründete. Wegen der Bauarbeiten wird erst im Juli statt im April das 100. Jubiläum der Gründung der Franziskus-Schwesternschaft gefeiert — am Samstag, 6. Juli, 10 Uhr, wird der Aachener Bischof Helmut Dieser die Festmesse in St. Dionysius zelebrieren.

Die Oberin hat den Gründer Pater Markus, der 1952 starb, nicht mehr kennengelernt. Als sie vor 59 Jahren ins Mutterhaus kam, lebten noch sechs der Schwestern der ersten Stunde am Jungfernweg, insgesamt waren es damals etwa 25 Frauen. Schwester Alfonsa war die letzte „neue“ Schwester, die ins Haus zog, und ist heute die Jüngste. Schwester Imelda, die mit damals 18 Jahren noch von Pater Markus eingekleidet wurde, lebt unter den fünf verbliebenen Ordensfrauen.

Weil sie immer weniger Ordensfrauen wurden, also weil Schwestern starben, aber auch weil bauliche Vorgaben in den gesetzlichen Bestimmungen nicht zu erfüllen waren, war das nach dem Krieg aufgebaute Altenheim Mariae Heimsuchung im Gebäude 1996 geschlossen worden. „Wir hatten zum Beispiel keine Möglichkeiten für einen Bettenaufzug“ erinnert sich Schwester Alfonsa. Und was mögliche neue Mitschwestern anging: „Es sind immer wieder welche gekommen, aber sie haben nicht durchgehalten“, sagt Alfonsa, die sich wie die anderen als Franziskanerschwester Armut, Gehorsam und Keuschheit verpflichtet hat.

Die Kurzzeitpflege wurde noch bis 2017 weiter betrieben. Geblieben ist nun noch eine „Minipflegestation“, wie Schwester Alfonsa sie nennt, mit zehn Betten. Hier werden Mitschwestern gepflegt oder Mitglieder des TAU-Apostolats, einer franziskanische Laiengemeinschaft mit Sitz am Jungfernweg.

Neben den Oase-Plänen, dem Frühstück für Bedürftige und einem Mittagstischangebot, das beispielsweise Berufstätige aus dem Umfeld wahrnehmen, hat Schwester Alfonsa auch noch andere Ideen. Bei der Verwirklichung des Leitsatzes der Gemeinschaft „Miteinander – in Freude dienend, Gottes Liebe zu uns Menschen bezeugen“ könnte sie sich unter anderem auch ein geistliches Angebot für Kinder und Jugendliche vorstellen, bei dem ihr eine junge Frau helfen könnte, die jetzt ins Haus gezogen ist.

Zwischen dem Morgenlob um 7.25 Uhr, der Heiligen Messe um 7.45, dem ersten Rosenkranz um 11.30, dem Abendlob um 17.30 und dem zweiten Rosenkranz um 19.30 Uhr sei „immer noch genug Zeit zum Arbeiten“, sagt die 81-Jährige mit einem energischen, aber begeisterten Unterton in der Stimme. Sagt es und ist schon wieder flotten Schrittes die Treppen hinunter unterwegs in eine andere Etage.